land (2009 - 2012)

werkraum bild und sinn

Ebenen und Grenzen der Fotografie

 

 

 

land (2009 - 2012)

 

Fotograf: Alexander Janetzko

 

19. September (Vernissage 19:00 Uhr) bis 11. Oktober 2014 (Finissage)

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 16 Uhr

Bildprojektion auf Anfrage

Eintritt: frei

 

Die Ausstellung zeigt Fotografien, die als reportageartige Bildserien zwischen 2009 und 2012 während mehreren, zum Teil mehrmonatigen Aufenthalten in Israel und im Westjordanland entstanden. Als Momentaufnahmen von Alltagszenen widmen sie sich unterschiedlichen Themen und Menschen: Christ/innen während des Papstbesuches, Palästinenser/innen, die in Zelten leben, dem gemeinsamen Leben des Fotografen mit seinen Freund/innen. Daneben streifen die Bilder durch signifikante Orte ebenso wie durch namenlose Straßen und Architekturen, verharren für Augenblicke in Begegnungen, manchmal in den bekannten, das Land kennzeichnenden Kontrasten. Die Bilder beziehen sich auf einen Raum, in dem sich alles innerhalb kürzester Zeit und Distanzen ändern kann, in dem man permanent mit neuen Eindrücken, Emotionen, Identitäten, Darstellungen, Informationen konfrontiert ist, unmittelbar und dicht. Die Aufnahmen bewegen sich dabei leise durch einen Alltag, zeigen eine Normalität des Lebens in Situationen, in denen andere Parameter als „normal“ gelten, als die, die wir in Mitteleuropa kennen und in denen demzufolge andere Erfahrungen gemacht werden. Die Fotografien sind einerseits gewöhnlich, weil sie Alltagsmomente zeigen, wie sie Alltagsmomente an jedem anderen Ort auf der Welt zeigen könnten. Sie sind damit anderseits ungewöhnlich, weil sie sich nicht darauf beschränken, die Bilder der Konflikte, Anschläge und Kriege in Israel zu reproduzieren oder sich mit der Abbildung der auffälligen Gegensätze des Landes begnügen. Die Fotografien reduzieren das Land nicht auf einen Konflikt, sie erzählen Geschichten, die aus der Entfernung nicht immer zu sehen sind, Geschichten, die sich nicht nur in den Extremen abspielen.

 

Die Fotografien von Alexander Janetzko resultieren aus dem Antrieb, sich an Orte eines zivilen Alltags zu begeben, Situationen aufzusuchen, die nicht allein von politischen und identitären Zuschreibungen geprägt sind, dabei selbst Erfahrungen und daraus resultierend ein Bild zu machen. So entstehen Fotografien, die für den Betrachter eine Vielzahl von Identitäten und Brüchen, das Suchen nach und das Zusammenfinden in Gruppen, gemeinsame und getrennte Erfahrungen aufzeigen können. Die Bilder stehen dabei weniger für einen bekannten Nachrichtenwert als für die Spannung, ein Leben jenseits von Konflikten zu zeigen, das dabei gleichzeitig permanent in diese eingebettet ist.

 

Für die Ausstellung wählte Alexander Janetzko einzelne Fotografien aus den verschiedenen Bildserien aus und setzte sie zu einer neuen visuellen Erzählung über das Land zusammen. Leitend für diesen Prozess sind die Fragen danach, wann Bilder miteinander sprechen, welches emotionale Erzählen sie ermöglichen, wie sie sich zu Bildern und Bildfolgen mit mehrdeutigen Aussagen verknüpfen lassen und dabei eine Verbindung zu Erinnerungen aufbauen können. Zusammengesetzt werden Facetten, die kein Ganzes bilden, Aufnahmen, die aus dem gemeinsamen Leben mit Freund/innen vor Ort resultieren, die mit den anderen Motiven zu einer visuellen Verdichtung dessen werden, wie Menschen mit ihren Erfahrungen, Emotionen und Positionen umgehen. Dies ermöglicht zunächst dem Fotografen selbst und anschließend den Betrachter/innen, eine Auseinandersetzung aus einem immer anderen Blickwinkel, mit einem immer neuen Zugang. In der Summe entsteht eine Auswahl, die von der eigenen emotionalen Welt erzählt und sie zu einem sehr persönlichen Tagebuch zusammenfügt, dass trotz aller Facetten Aspekte auslässt, daher schmal und ausgesucht bleibt. Dies kann auch als Hinweis darauf gelesen werden, dass eine abschließende Erzählung nicht möglich ist vor dem Hintergrund, dass Israel selbst sich ständig verändert, in einer Geschwindigkeit und in Facetten, aus denen ständig neue Momente und damit Bilder hervorgehen können.

Die Präsentation der Bilder verweigert die Vermittlung konkreter Daten, Informationen und linear konstruierter Geschichten, sie besteht auf der Annahme, dass das Bild bereits eine eigene Sprache hat. Damit lassen sich aus der Ausstellung selbst keine konkreten Aussagen über den Ort, die Zeit, das Anliegen oder Leben der Protagonist/innen erfahren, ihr fehlt zudem die inhaltliche Richtungsvorgabe einer sprachlichen, als Text gefassten Erzählung. Sie setzt darauf, dass sich so der Raum für Geschichten erweitert, der Kontext, eine Emotionalität, Erinnerung und/oder Erzählung mit den Erfahrungen des Besuchers entstehen, mit seinen Bildern im Kopf, mit den Verbindungen, die er zwischen den einzelnen Aufnahmen herstellt.

 

Alexander Janetzko studierte von 2005-08 an der „Ostkreuzschule für Fotografie“ in Berlin und arbeitet seither als freier Fotograf im In- und Ausland. Seine Arbeiten werden international in Magazinen, Büchern und Ausstellungen veröffentlicht, seine Schwerpunkte sind essayistische Dokumentationen, Reportagen und Portraits.

 

2012 gründet er mit Sandra Weller und Piero Chiussi die Agentur StandArt. Zuletzt gewann er den Nachwuchsförderpreis der brandenburgischen Kulturministerin und veröffentlichte Sugar&Zint. Experimentelles Tagebuch 2009-2013 von Alexander Janetzko über Gerdy Zint. Sandsteinverlag 2014.

 

 

Persönliche Website:

www.alexanderjanetzko.de

 

Blog:

www.alexanderjanetzko.de/blog

 

https://www.facebook.com/pages/SugarZint/373675459400615