PAUSE PLAY

werkraum bild und sinn

Ebenen und Grenzen der Fotografie

 

PAUSE | PLAY / Piero Chiussi

 

28. März (Vernissage) bis 25. April 2015 (Finissage)

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 16 Uhr

Eintritt: frei

 

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8. April 2015 um 18.30 h

Harald Glöde (borderline europe) spricht über die Abschottung der EU am Beispiel der spanischen Enklaven Melilla und Ceuta.

Jedes Jahr versuchen tausende Flüchtlinge die an der nordafrikanischen Küste gelegenen spanischen Städte Mellila und Ceuta zu erreichen, um die Chance zu bekommen, in Europa Asyl zu beantragen. Sie warten oft monatelang in illegalen Camps auf der marokkanischen Seite, wo sie von dem dortigen Militär regelmäßig attackiert werden, auf eine Möglichkeit, die meterhohen Grenzanlagen zu überwinden. Den wenigen, denen es gelingt, ist nicht garantiert, dass sie ihr Ziel erreichen. Immer wieder bringt die Guardia Civil sie durch sogenannte push backs zurück nach Marokko, obwohl dies nach geltendem EU-Recht illegal ist.

https://www.facebook.com/events/1383454865311617/

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Jedes Jahr kommen tausende Migranten und Flüchtlinge in Europa an, in der Hoffnung, ein sicheres Leben führen zu können. Nach oftmals lebensgefährlicher und aufreibender Reise glauben sie, hier endlich ihr ersehntes Ziel erreicht zu haben. In den meisten Fällen beginnt jetzt allerdings eine nicht minder zermürbende Zeit: Die Menschen werden auf ein Abstellgleis gestellt, sozusagen auf PAUSE geschaltet. Sie müssen warten, bis die Behörden eine Entscheidung bezüglich ihres Status getroffen haben, das heißt bis sie wissen, ob sie überhaupt in Europa bleiben dürfen. Diese forcierte Pause kann mehrere Jahre dauern, in manchen Fällen sind es mehr als 30 Jahre. In dieser Zeit dürfen sie nicht legal arbeiten, sich nichts aufbauen, kein neues Leben beginnen.

 

Die Stadt Melilla, eine spanische Enklave auf marokkanischem Boden, ist emblematisch für diese Situation: Migranten und Flüchtlinge, die es geschafft haben, die Grenzanlagen zu überwinden und hier anzukommen, befinden sich zwar auf spanischem Boden und können sich in der Stadt selbst frei bewegen, mehr wird ihnen aber nicht zugestanden. Sie müssen in dieser Situation verharren, bis die spanische Zentralregierung darüber geurteilt hat, ob sie aufs Festland weiterreisen dürfen.

 

Flüchtlinge, die in Deutschland einen Asylantrag stellen, dürfen hier weder arbeiten, noch den Landkreis verlassen, in dem ihnen von den Behörden eine Unterkunft zugewiesen wurde. Diese befindet sich oft in Lagern, manche von ihnen liegen außerhalb der Städte. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Das Projekt des deutschen Musikers Heinz Ratz hat einigen Flüchtlingen, die ebenfalls Musiker sind, die Chance gegeben, wenigstens für eine kurze Zeit diesem Stillstand zu entfliehen. Sie konnten wieder spielen und mit der Band The Refugees auf PLAY gehen. Der italienische Fotograf Piero Chiussi bildet in seinen Fotografien beide Modi, Pause und Play, als unterschiedliche Aspekte eines Alltags von Flüchtlingen ab.

 

Piero Chiussi lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Berlin. Er absolvierte nach einem Psychologiestudium in London und Padua die Berliner Ostkreuzschule für Fotografie und stellte seit 2006 seine Arbeiten in zahlreichen Galerien aus, zuletzt The Refugees in Dannenberg. Daneben wurden seine Fotografien in Büchern und Zeitschriften veröffentlicht. Er gehört zu den Gründern der Agentur StandArt. Mit der Ausstellung Pause | Play verbindet er erstmals zwei Themen eines Projektes, dem er sich seit einem längeren Zeitraum widmet; die Situation von Flüchtlingen in Melilla und in Deutschland.

 

Website: http://www.webchroma.de/en

 

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